Notreife bei Mais - Worauf sollten Sie bei der Ernte und Silierung achten?

Die seit Wochen anhaltende Trockenheit in Verbindung mit sonnig warmem Wetter wird sich in den kommenden Tagen weiter verschärfen. Teile der Maisbestände sind sowohl in ihrer vegetativen als auch in der generativen Entwicklung gestört worden.

Weitere Daten sind online abrufbar unter: https://www.dwd.de/DE/leistungen/bodenfeuchte_dl/bodenfeuchtedl.html

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Eine vorzeitige Ernte dürregeschädigter Bestände sollte wohl überlegt sein! Erst wenn keine Chance auf Regeneration der Pflanze bzw. kein weiterer Zuwachs an Kolben bzw. Stärke besteht, sollte geerntet werden, bevor die gesamte Pflanze abstroht.

1. Erntezeitpunkt:

Alle Maisbestände bedürfen aufgrund der außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse einer genauen Beobachtung. Da oft nur einzelne Flächen oder aber Teilbereiche innerhalb einer größeren Fläche betroffen sind, gestaltet sich die Beurteilung oft schwierig und die Entscheidung sollte sorgsam abgewogen werden.


Normal entwickelte Bestände:

Auch bei scheinbar normal entwickelten Beständen sollte der Befruchtungserfolg ca. 10 Tage nach der Blüte kontrolliert werden.
Aufgrund der hohen Temperatursumme wird die Siloreife früher erreicht werden als in normalen Jahren! Bei weiterhin ausbleibenden Niederschlägen ist auch hier mit einer schnelleren Abreife der Bestände zu rechnen.

Bestände mit Dürreschäden nach der Blüte:

Die Befruchtung der Kolben konnte in den meisten Fällen noch erfolgen. Die Regenerationsfähigkeit des Maises sollte nicht unterschätzt werden! Solange die Assimilationsfläche der Blätter noch aktiv ist, kann bei einsetzendem Regen ein Kornertragszuwachs erzielt werden. Erst bei fortschreitender Schädigung der Restpflanze (Absterben der Blätter) verringert sich die Einlagerung von Stärke in das Korn. Dann wird es zu Reduzierungen an der Kolbenspitze und zur Bildung sog. Gummikolben kommen. Die Ernte sollte erfolgen, wenn das Kolbenblatt abstirbt. Je nach Kolbenanteil und Fortschritt der Einlagerung können TS-Gehalte von 28 – 30 % erreicht werden.


Stark geschädigte Bestände:

Bestände mit stark geschädigter Restpflanze, bei denen eine Befruchtung gänzlich ausblieb, sollten besonders im Auge behalten werden. Durch den Assimilatestau in der Pflanze kommt es oft zu Rotfärbung von Stängel und Blättern (Anthocyanverfärbung). Die Beerntung sollte erfolgen, bevor die Pflanze komplett abstroht und noch ca. 50 % grüne Blätter vorhanden sind. Jedes weitere Absterben der Pflanze bedeutet eine weitere Abnahme des Futterwertes und eine Zunahme der Gefahr der Nacherwärmung im Silo. Die TS-Gehalte werden aufgrund des Wassers im Stängel oftmals bei nur ca. 20-23% liegen! Machen Sie sich dazu selbst einen Eindruck von Ihrem Bestand. Für eine Wringprobe schneiden Sie Pflanzen ca. 30 cm über dem Boden ab, dann knicken und drehen Sie den Stängel und beurteilen Sie den Saftaustritt aus dem Stängel. Es sollte kein starker Saftaustritt erfolgen. Kommt es zu einem starken Austritt von Flüssigkeit ist die Ernte aufzuschieben, da die Sickerwasserbildung zu groß wäre.

2. Häckseln und Einsatz von Siliermitteln:

Das Häckseln und Verdichten ist aufgrund der sehr unterschiedlichen TS-Gehalte innerhalb der Pflanzen eine Herausforderung. Die Kombination aus grünen und abgestorbenen Pflanzenteilen erschwert die Verdichtung; grüne Pflanzenteile entwickeln bei Trockenheit ebenfalls eine gummiartige Konsistenz. Es sollte daher kurz genug gehäckselt werden (6 bis max. 10 mm) und auf eine optimale Logistik bei der Ernte (v.a. Verdichtung) geachtet werden. Die Einhaltung der weiteren Silierregeln, wie ausreichend Vorschub und unmittelbares Abdecken der Miete mit Unterzieh-Folie und Folie sollte selbstverständlich sein.

Der Einsatz von Siliermitteln ist bei zu früher Ernte empfehlenswert. Eine Umlagerung von Zucker in Stärke findet kaum statt, so dass im Häckselgut mit sehr hohen Zuckergehalten bis zu 20% gerechnet werden muss. Die hohen Restzuckergehalte machen die Maissilage nach dem Silieren besonders anfällig für Nacherwärmung und Verderb. Siliermittel mit der Wirkungsrichtung 2 haben hierbei einen positiven Einfluss auf die aerobe Stabilität. Bei TS-Gehalten < 25% eignen sich für eine sichere Wirksamkeit auch chemische Siliermittel. Chemische Mittel sind mit höheren Kosten verbunden, wirken in diesem TS-Bereich jedoch sicherer als heterofermentative Milchsäurebakterien.

3. Vermehrten Sickersaftanfall berücksichtigen!

Die TS-Gehalte in Maissilagen ohne, bzw. mit geringen Kolbenanteilen von 15 – 30% liegen bei 20 bis max. 26%. Es muss bei der Einsilierung folglich mit hohen Mengen an Gärsaft gerechnet werden. Die Mengen pro m³ Silolagerraum liegen laut Literaturangaben bei angegebenen TS-Gehalten zwischen 75 bis > 200 Litern.

Innerhalb der ersten 5 bis 7 Tage wird bereits etwa 75% der gesamten Sickersaftmenge anfallen. 85% der Menge sind nach ungefähr 10 Tagen erreicht.

Evtl. besteht die Möglichkeit die nasse Maisssilage über einen trockenen Grassilo zu fahren oder Stroh als Unterlage zu nutzen, um die Sickersaftmengen aufzufangen. Der Einsatz von Trockenschnitzeln kann zudem die Chance bieten, die geringeren Futterqualitäten aufzuwerten.

4. Welchen Nährwert haben kolbenlose Maissilagen?

Hitze- und trockengeschädigte Maissilagen ohne Kolben sind asche-, protein- und faserreich verglichen mit normaler Maissilage mittlerer Qualität. Die Energiegehalte sind sehr niedrig und liegen ca. zwischen 4,6 und 5,5MJ NEL.
Die Werte können mit einer schwachen Grassilage verglichen werden.

Abb. 1 Nährstoffgehalt von vorzeitig geernteten Maissilagen ohne Kolben (n=8)

Quelle: M. Pries, Anette Menke, LK NRW

  TS in % Asche g/kg TS Protein g/kg TS Rohfaser g/kg TS Zucker g/kg TS Stärke g/kg TS NEL MJ/kg TS
Mittel 23,1 84 112 319 29 20 5,1
Min. 20,2 64 88 289 6 8 4,6
Max. 26,1 116 139 367 59 41 5,5
Maissilage mittel im Vergleich 31,0 47 85 210 15 280 6,4

Wenn Sie kolbenlose Maissilagen auf ihren Futterwert untersuchen lassen, muss die Untersuchung in jedem Falle nasschemisch durchgeführt werden, denn parallele Untersuchungen mittels NIRS-Technologie zeigen, dass sich dieses System nicht für die Untersuchung dieser extrem abweichenden Silagen eignet.

In der Hoffnung auf „besseres“ Wetter stehen Ihnen die KWS-Berater als Ansprechpartner zur Verfügung.

P.S. Dies ist ein Beispiel für die Region Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Sie kommen nicht aus der Region und möchten Kontakt zu Ihrem Berater aufnehmen? Das ist kein Problem. Klicken Sie einfach hier und Sie kommen sofort zu Ihrem persönlichen Berater vor Ort.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Wessel-Terharn
Michael Wessel-Terharn
Beratungsstellenleiter
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